Für viele Menschen ist es selbstverständlich, den tierischen Begleiter mit in den Urlaub
zu nehmen. Meist trifft das vor allem auf Hunde zu, ab und zu werden aber auch Katzen
oder andere Haustiere mit auf Reisen genommen.
Auf solche Auslandsreisen sollte man sich gut vorbereiten, da neben rechtlichen
Voraussetzungen auch gesundheitliche Gefahren lauern können. Besonders in vielen
beliebten Urlaubszielen in Süd- und Osteuropa gibt es gefährliche Krankheitserreger, die
durch Parasiten wie Zecken oder Sandmücken übertragen werden können.
Die rechtlichen Grundlagen
Grundsätzlich sind für einen Grenzübertritt innerhalb der EU für Hunde und Katzen ein
Mikrochip, ein korrekt ausgefüllter EU-Heimtierausweis und eine gültige Tollwutimpfung
Voraussetzung. Für Länder außerhalb der EU gibt es zum Teil noch weitere Vorschriften,
über die man sich unbedingt rechtzeitig vor Reiseantritt bei der zuständigen Behörde
informieren sollte. Manchmal wird eine Entwurmung innerhalb eines engen Zeitfensters
vor dem Grenzübertritt oder eine amtstierärztliche Gesundheitsbescheinigung verlangt.
Ist für das geplante Reiseziel beispielsweise ein Zertifikat über einen ausreichend hohen
Tollwut-Antikörper-Titer notwendig, sind Wartezeiten von mehreren Wochen üblich.
Sind Flugreisen geplant, ist es zudem bei den meisten Fluglinien nur für Tiere unter 8 kg
erlaubt, in der Kabine zu fliegen – alle anderen Tiere müssen im Frachtraum
unterkommen. Außerdem ist der Reiseantritt nur Tieren erlaubt, die nicht krank oder
sediert sind.
Um welche Krankheiten geht es?
Am häufigsten sind unter den sogenannten vektorübertragenen Erkrankungen (also
Erkrankungen, die durch unterschiedliche Parasiten übertragen werden können) bei
Hunden und Katzen Babesiose, Anaplasmose, Leishmaniose und Ehrlichiose, sowie
Herzwürmer.
Babesien, Anaplasmen und Ehrlichien werden durch Zecken übertragen, Leishmanien
durch Sandmücken und Herzwürmer durch verschiedene Arten von Stechmücken.
Die Babesiose verläuft in den meisten Fällen akut und kann unbehandelt schnell zum
Tod führen. Hohes Fieber, vermehrter Durst, Teilnahmslosigkeit,
Lymphknotenschwellungen, dunkler Harn und Gelbfärbung der Haut sind mögliche
Symptome. In der Blutuntersuchung ist ein starker Abfall von Erythrozyten (roten
Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) typisch. Auch bei raschem
Therapiestart überleben nicht alle Hunde diese Erkrankung. Bei Infektion mit großen
Babesien (B. canis) ist die Prognose besser als bei einer Infektion mit kleinen Babesien
(B. gibsoni).
Bei Anaplasmose und Ehrlichiose können am Beginn der Erkrankung auch unspezifische
Symptome bemerkt werden, im weiteren Verlauf werden oft eine Polyarthritis durch
Gelenksbefall und eine deutlich vergrößerte Milz festgestellt. Bei schneller Diagnose und
Therapie ist die Prognose bei diesen Erkrankungen gut.
Bei Leishmaniose kommt es nach einer Inkubationszeit von Wochen bis Monaten zu
Haarausfall und schuppigen Hautveränderungen (ohne Juckreiz), meist zuerst am
Nasenrücken, an den Ohren und rund um die Augen. Es können unterschiedliche
Organsysteme betroffen sein und daher kann eine Vielzahl an weiteren Symptomen
auftreten, beispielsweise Gewichtsverlust, Apathie, Lymphknotenschwellung, blasse
Schleimhäute, Erbrechen, Durchfall oder Muskelschwund. Die Leishmaniose zählt
außerdem zu den Zoonosen, also zu den Krankheiten, die zwischen Tieren und
Menschen übertragbar sind.
Herzwürmer (Auslöser der Dirofilariose) schädigen in adultem Stadium die Gefäßwände
und können auch ganze Gefäße verstopfen und so zu einer Embolie führen. Die
Symptome beginnen in der Regel ca. 6 Monate nach der Infektion und umfassen eine
erhöhte Atemfrequenz, Husten, reduzierte Belastungsfähigkeit und zum Teil auch
Atemnot nach Anstrengung. Die Therapie richtet sich nach dem Erkrankungsstadium, da
die Eliminierung der adulten Würmer für den Patienten gefährlich sein kann – hier
besteht das Risiko einer Thromboembolie durch abgestorbene Würmer. Dieses Risiko
wird durch bestimmte Medikamente und auch eine strikte Bewegungseinschränkung
des Tieres während der Therapie minimiert. In Ausnahmefällen mit besonders
schwerem Befall oder weit fortgeschrittenem Erkrankungsstadium kann sogar eine
Operation notwendig sein, um die Würmer zu entfernen.
Wie kann man also vorbeugen?
Eines gleich vorweg: einen 100%igen Schutz gibt es leider nicht. Wer sein Tier mit in den
Urlaub nimmt, muss zumindest ein geringes Restrisiko in Kauf nehmen. Mit geeigneten
Medikamenten (z.B. Milbemycinoxim, Imidacloprid, Permethrin für Hunde) lässt sich
das Risiko einer Ansteckung aber sehr stark minimieren. Nicht zu empfehlen sind
Experimente mit Kokosöl, Bernsteinketten oder Ähnlichem. Zusätzlich ist es angeraten,
das Tier nach jedem Spaziergang auf Zecken abzusuchen – das gilt auch für Österreich.
Gerne besprechen wir alles ausführlich und persönlich vor Ihrer Reise, damit es für alle
Beteiligten ein unvergesslicher Urlaub ohne böse Überraschungen wird! 🙂


