Rohfütterung für Hunde ist immer besser als Fertigfutter
Rohfütterung kann funktionieren, ist aber nicht automatisch gesünder. Eine schlecht zusammengesetzte Ration kann zu Mangelerscheinungen führen und rohes Fleisch kann Krankheitserreger enthalten. Werden auch Knochen verfüttert, besteht hierbei das Risiko von abgebrochenen Zähnen und Verletzungen durch abgesplitterte Knochenstücke. Ein hochwertiges Alleinfuttermittel deckt den Nährstoffbedarf zuverlässig ab. Wer trotzdem selbst eine Ration zusammenstellen möchte (ob roh oder gekocht), sollte dies unbedingt in Zusammenarbeit mit einem/einer Ernährungsberater*in tun.
Wenn ein Tier noch frisst, kann es nicht ernsthaft krank sein
Das stimmt leider nicht! Viele Tiere zeigen Krankheiten erst spät an und nicht jede Erkrankung wirkt sich auf das Fressverhalten aus. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, einem häufigen Problem von älteren Katzen, ist der Appetit beispielsweise oft sogar deutlich gesteigert – und trotzdem kann die Erkrankung unbehandelt lebensgefährlich werden. Wenn eine Katze allerdings tatsächlich nicht mehr frisst, sollte das immer ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Zähneputzen braucht ein Tier nicht
Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Problemen bei Hund und Katze. Durch regelmäßiges Zähneputzen kann die Bildung von Zahnstein verhindert oder verlangsamt werden und damit wird auch das Risiko für Parodontitis geringer.
Katzen landen immer auf den Pfoten
Katzen besitzen zwar einen ausgeprägten Stellreflex, können sich aber bei Stürzen trotzdem schwer verletzen! Fenster und Balkone müssen in Katzenhaushalten unbedingt mit entsprechenden Netzen oder Gittern gesichert werden.
Hündinnen und Katzen sollten vor der Kastration einmal Junge bekommen
Dafür gibt es keinen medizinischen Nachweis. Eine Trächtigkeit bringt immer auch Risiken für Mutter und Nachwuchs mit sich. Bei Problemen können schnell Tierarztkosten im vierstelligen Bereich zusammenkommen, wenn beispielsweise ein Kaiserschnitt im Notdienst durchgeführt werden muss. Außerdem sind die meisten Tierheime und private Pflegestellen überfüllt und da stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig ist, weitere Tiere in die Welt zu setzen, während andere schon lange auf ein schönes Zuhause warten.
Reine Wohnungskatzen brauchen keine Impfung oder Entwurmung und müssen auch nicht gechippt werden
Auch für Wohnungskatzen lautet die aktuelle Empfehlung, dass sie nach der abgeschlossenen Grundimmunisierung alle 3 Jahre gegen Katzenschnupfen und Panleukopenie (Katzenseuche) geimpft und jährlich entwurmt werden sollten. Auch wenn die Katze selbst keine Pfote vor die Tür setzt, kann man als Mensch mit Schuhen und Kleidung Infektionserreger in die Wohnung bringen, bekommt vielleicht ab und zu Besuch von anderen Personen, die selbst Haustiere haben und wenn die Katze zum Tierarzt gebracht wird, hat sie auch (zumindest indirekten) Kontakt zu anderen Tieren. Wir würden auch in jedem Fall einen Mikrochip inkl. Registrierung empfehlen, falls die Katze doch mal durch die geöffnete Tür nach draußen huscht.
Zeckenschutz ist nur von Mai bis Oktober notwendig
Unter anderem durch den Klimawandel werden bei uns mittlerweile an jedem einzelnen Tag im Jahr Zecken nachgewiesen und damit ist auch die aktuelle Empfehlung begründet, dass Hunde und Katzen mit Freigang ganzjährig einen Zeckenschutz bekommen sollten. Natürlich ist aber das Risiko in den warmen Monaten deutlich höher.
Für Katzen ist regelmäßiges Erbrechen normal
Für Katzen ist häufiges Erbrechen ohne erkennbaren Grund (wie Haarballen bei langhaarigen Katzen oder Erbrechen nach dem Fressen von Katzengras) genauso wenig normal, wie für Menschen oder andere Tiere. Es gibt keinen Richtwert zu einer „akzeptierten“ Häufigkeit des Erbrechens. Sollte Ihre Katze öfter als monatlich erbrechen, egal ob Futter oder Haarballen, sollte das Problem spätestens beim nächsten jährlichen oder halbjährlichen Vorsorgetermin angesprochen werden. Erbricht sie allerdings mehrmals täglich, sollte sie schnellstmöglich in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden.
Eine Chemotherapie für Haustiere ist nur Quälerei
Zytostatika können grundsätzlich bei Tieren dieselben Nebenwirkungen verursachen wie bei Menschen, allerdings werden diese Medikamente in der Tiermedizin viel niedriger dosiert, um genau das zu vermeiden. Bei etwas 15-20% der Patienten treten milde Symptome (wie Übelkeit, Durchfall oder Müdigkeit) auf, die meist nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Abgesehen davon, dass sich ein Tier nicht bewusst für einen hochdosierte Chemotherapie mit potenziell schweren Nebenwirkungen entscheiden kann, wäre es für Hunde und Katzen auch unmöglich, die nötige Hygiene bei einer so starken Immunsuppression einzuhalten.


