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Es gibt den Spruch „Alter ist keine Krankheit“ – damit ist gemeint, dass viele Krankheiten im Alter zwar häufiger auftreten, das Älterwerden selbst aber ein ganz natürlicher Prozess ist. Gesundheitsvorsorge und Lebensqualität sind im höheren Alter genauso wichtig wie in jedem anderen Lebensabschnitt auch.
Die Lebenserwartung von Katzen ist in den letzten 20 Jahren um rund 30 % gestiegen – unter anderem dank besserer medizinischer Versorgung und hochwertiger Ernährung.

Wann gilt eine Katze als alt?

Es gibt je nach Quelle unterschiedliche Einteilungen, aber in der Regel gilt eine Katze ab 8 Jahren bereits als Senior-Katze und ab 12 Jahren als geriatrisch.
Jährliche oder halbjährliche Untersuchungen beim Tierarzt können für den einen oder anderen Besitzer übertrieben wirken. Wenn man allerdings den Zeitraum zwischen den Besuchen prozentuell zur gesamten Lebenszeit sieht, rückt es das Ganze in eine andere Perspektive: Eine 20-jährige Katze entspricht einem fast 100-jährigen Menschen. Wenn also die Katze einmal im Jahr zur Untersuchung kommt, ist das vergleichbar mit einem Arztbesuch alle 5 Jahre beim Menschen – gar nicht so viel, oder?

Arthrose

Arthrose bezeichnet eine degenerative (nicht entzündliche), chronische Erkrankung der Gelenkknorpel, die durch altersbedingte Abnutzung bei Katzen sehr häufig vorkommt.
Vor allem die Hüften, Ellenbogengelenke oder die Wirbelsäule sind betroffen. Die Katzen wollen sich dann oft nicht mehr so viel bewegen, springen weniger oder verrichten ihr „Geschäft“ neben dem Katzenklo – das ist aber keineswegs Protest, sondern deutet auf Schmerzen beim Hineinsteigen (oder bei der Körperhaltung zum Harn- bzw. Kotabsatz) hin.
Die Therapiemöglichkeiten konzentrieren sich auf Schmerzmanagement, da die Arthrose selbst nicht heilbar ist. Es gibt unterschiedliche Optionen für die Schmerztherapie, von einer monatlichen Spritze bis zu unterschiedlichen Pulvern, Tabletten und Wirkstoffen in flüssiger Form. Die Wahl der richtigen Medikamente muss auf den Patienten und eventuelle zusätzliche Erkrankungen abgestimmt sein.

Herzerkrankungen

Die häufigste Herzerkrankung bei Katzen ist die hypertrophe Kardiomyopathie, bei der der Herzmuskel der linken Kammer im Laufe der Zeit immer dicker wird. Oft bleibt das Problem unerkannt, bis die Katzen im mittleren oder hohen Alter Symptome wie Hecheln oder schnelle Atmung zeigen. Da bei fortgeschrittenem Verlauf das Thromboserisiko erhöht ist, werden auch manche Katzen als Notfall aufgrund von plötzlichen starken Schmerzen und Lähmung der Hinterbeine vorgestellt.
Die eindeutige Diagnosestellung ist nur durch einen Herzultraschall möglich, daher empfehlen wir allen Katzen, bei denen ein Herzgeräusch (z.B. im Zuge der jährlichen Vorsorgeuntersuchung) oder eine entsprechende Symptomatik auffällt, eine kardiologische Untersuchung durchführen zu lassen – besonders wichtig ist das vor geplanten Narkosen.

Bluthochdruck

Ein erhöhter Blutdruck (Hypertonie) ist besonders bei älteren Katzen sehr häufig und tritt auch oft in Kombination mit einer Nierenerkrankung oder einer Schilddrüsenüberfunktion auf.
Manche Katzen mit Bluthochdruck sind „gesprächiger“, maunzen oder schreien also öfter – ein Symptom, das vermutlich von Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen kommt. Da diese Anfangssymptome eher unspezifisch sind, wird das Problem oft erst durch Auftreten von Folgeschäden, wie z.B. plötzliche Erblindung durch Netzhautschädigung, aufgedeckt. Neben den Augen kann ein dauerhaft zu hoher Blutdruck vor allem Nieren, Herz und Gehirn schädigen. Um solche Situationen zu vermeiden, empfehlen wir eine jährliche Blutdruckmessung (das ist gut im Zuge des jährlichen Gesundheitschecks möglich) bei Katzen über 7 Jahren. Bei Katzen über 11 Jahren ist es sinnvoll den Abstand zwischen den Kontrollen auf alle 6 Monate zu verkürzen.

Zahnerkrankungen

Resorptive Läsionen, früher als FORL (feline odontoklastische resorptive Läsionen) bekannt, treten bei ca. jeder zweiten Katze mittleren Alters auf. Die Zahnsubstanz wird, meist beginnend im Wurzelbereich, durch veränderte Zellaktivitäten vom Körper selbst abgebaut – ein sehr schmerzhafter Prozess, der von außen leider oft erst in einem stark fortgeschrittenen Stadium sichtbar wird.
Bei dieser typischen Katzenerkrankung ist die einzige Behandlungsmöglichkeit die Entfernung aller betroffenen Zähne. Da meist mehrere Zähne betroffen sind, ist bei dem Verdacht auf FORL ein vollständiges Zahnröntgen im Zuge der Behandlung wichtig.

Nierenerkrankungen

Betroffene Katzen trinken oft viel, was den Haltern manchmal als etwas positives erscheint („endlich trinkt er brav!“) – das ist es aber keineswegs. Die Niere kann den Harn nicht mehr gut genug konzentrieren, wodurch die Tiere größere Mengen an Urin absetzen. Der Körper versucht den Verlust über eine gesteigerte Trinkmenge zu kompensieren. Wenn das nicht mehr ausreicht, sind die Katzen dehydriert (eingefallene Augen, Hautelastizität geht verloren) obwohl sie große Mengen an Flüssigkeit zu sich nehmen.
Auch die Schleimhäute können bei einer Nierenerkrankung verändert sein – sie erscheinen dann oft sehr blass oder fast weiß. Das kann man am besten rund um die Augen oder im Maul (etwa beim Gähnen) sehen. Das kommt dadurch zustande, dass die Niere bei fortschreitender Schädigung das Hormon, welches für die Bildung der roten Blutkörperchen nötig ist, nicht mehr ausreichend produzierten kann.
Betroffene Katzen verlieren auch oft an Gewicht und vernachlässigen ihre Körperpflege, wodurch sie ein mattes, struppigeres Fell bekommen können.
Je nach Quelle sind bis zu 50% der Seniorkatzen von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen – es lohnt sich also, beim Auftreten von den genannten Symptomen sofort hellhörig zu werden und zeitnah einen Tierarzt-Termin zu vereinbaren. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Symptome mindern.
Infusionen, Nierendiät, Medikamente gegen Übelkeit und bei Bedarf die Injektion des erwähnten Hormons für die Blutbildung können Lebenszeit und gleichzeitig Lebensqualität schenken.

Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüsenüberfunktion ist die häufigste Hormonstörung bei der Katze und tritt meist bei älteren Katzen auf. Die Tiere haben oft einen nahezu unstillbaren Appetit, verlieren aber trotzdem immer weiter an Gewicht und sind oft zusätzlich sehr nervös oder schreckhaft. Die Erkrankung tritt oft gemeinsam mit Bluthochdruck, Herzerkrankungen und chronischen Nierenerkrankungen auf. Sobald die Tiere auf entsprechende Medikamente eingestellt sind, geht es ihnen meist innerhalb von kurzer Zeit besser (die Medikamente brauchen sie aber trotzdem ihr Leben lang). Unbehandelt kann die Krankheit im schlimmsten Fall tödlich enden.

Tumore

Wie bei uns Menschen steigt auch bei unseren Katzen mit dem Alter das Risiko an verschiedenen Krebsarten zu erkranken. Bei Katzen sind vor allem z.B.: Lymphome, unterschiedliche Tumore der Haut (Plattenepithelkarzinome, Basalzelltumore, Sarkome usw.) und Weichteilsarkome häufig. Knochentumore und Gehirntumore hingegen sind bei Katzen relativ selten.
Behandlungsmöglichkeiten und Prognose sind je nach Tumorart unterschiedlich – grundsätzlich gilt aber, die Chancen sind umso besser, je früher die Erkrankung erkannt wird.

„Katzendemenz“ – Kognitives Dysfunktionssyndrom

Besonders ab einem Alter von 15 Jahren sind viele Katzen von dieser Erkrankung betroffen. Da die typischen Symptome wie veränderte Schlafmuster oder Desorientierung schleichend beginnen, fällt das Problem oft erst spät auf – zum Beispiel wenn die Katze beginnt jede Nacht laut zu miauen (und so den Schlaf ihrer menschlichen Mitbewohner stört) oder sich in vertrauter Umgebung nicht mehr zurechtfindet.
Feste Spiele und Rituale geben der Katze Sicherheit, einfache Spiele können helfen ihr Gehirn aktiv zu halten. Verschiedene Ernährungszusätze stehen unterstützend zu Verfügung – hier sind vor allem die B-Vitamine, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren nachweislich hilfreich.


Auch unsere Seniorkatzen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wir nehmen ältere Katzen als Patienten genauso ernst wie junge, behandeln sie mit Respekt und haben das Ziel, sie so lange wie möglich gesund und zufrieden zu halten.

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